Reflexivität von Controlling

Im Wandel hin zu einer „Dienstleistungsgesellschaft“ und einer „Wissensökonomie“ spielen Faktoren wie Kreativität, Wissen und Motivation eine immer größere Rolle. Damit verbunden ist eine besondere Herausforderung für die Transformation dieser Produktionsfaktoren zu Dienstleistungen: Produktivität und Effektivität produktionsnaher und wissensbasierter Dienstleistungen sind aufgrund ihrer Immaterialität, Ereignishaftigkeit und Sozialität schwer zu messen.

Im industriebetrieblichen Kontext hat dies schwerwiegende Folgen: Elementare Dienstleistungen – FuE, Produktionsplanung und -vorbereitung, IT, Vertrieb, Personal – werden häufig einem nicht geeigneten, produktionsbezogenen Leistungsverständnis unterworfen oder nur als Gemeinkosten verbucht.

  • Was kann die Produktivitätsmessung zur Lösung dieser Probleme beitragen?
  • Wie kann man Wissensproduktivität, Lerneffekte, Innovativität messen – oder wenn dies i.e.S. nicht möglich ist, wie kann man sie in ihrer Wirkung besser verstehen, beobachten und steuern?
  • Wie lässt sich Controlling als Praxis sozialen Lernens in Betrieben institutionalisierten?

Vor diesem Hintergrund verstehen wir die Herausforderung eines Controllings wissensbasierter Dienstleistungen als Fragestellung der Reflexivität, also als Suche nach Mustern und Möglichkeiten nicht programmierten Lernens im Umgang mit der Produktivität wissensintensiver Tätigkeiten in Produktionsunternehmen.

Wir gehen davon aus, dass Betriebe zur sinnvollen Bearbeitung der geschilderten Problematik auf eine Institutionalisierung von Controlling als lernende, zukunftsorientierte und diskursive Praxis angewiesen sind. Mit dem Konzept der Institutionellen Reflexivität (Moldaschl 2005, 2006) wurde ein Theorie-Ansatz erarbeitet, der sich mit den Möglichkeiten einer Institutionalisierung dieser Perspektivenöffnung auseinandersetzt und Kriterien für die Analyse der institutionalisierten Innovationsfähigkeit organisationaler Strukturen bietet. Eine wesentliche Unterscheidung im Grad der Reflexivität betrieblicher „Erkenntniskulturen“ machen wir diesem Ansatz folgend an der Frage fest,

  • ob Messverfahren und ihre situative Anwendung eher objektivistisch verstanden werden, als möglichst detailgetreue Abbildung der Wertschöpfung, die sich in ihrer Kausalität wiederum in „objektiv wahren“ Modellen abbilden lässt, oder,
  • ob die betrieblichen Akteure des Performance Measurement ihre Aufgabe eher diskursiv verstehen und die angewandten Modelle als Modelle behandeln, die maßgeblich der (andauernden) Verständigung über Leistung und Leistungseffekte dienen.

Zur übergeordneten Frage wird daher, inwieweit in den Controlling Praktiken ein Bewusstsein von der eigenen Konstruiertheit, den eigenen Grenzen und Pfadabhängigkeiten institutionalisiert ist und welche Umgangsformen mit diesen Erkenntnisgrenzen gepflegt werden.