Forschungsfragen

Wir diskutieren Controlling unter dem Gesichtspunkt seiner Reflexivität, indem wir Controlling als potentiell (formal) reflexives Verfahren betrieblicher Selbstregulation fassen und nach dem tatsächlichen Reflexivitätsgrad von Controlling-Anwendungen fragen.

Die Grundlage hierfür bietet uns der Ansatz der Institutionellen Reflexivität. Diese konzipiert organisationale Strukturierung als wissensbasierten Prozess, der selbstreferentiell auf organisationale Regeln und Ressourcen und fremdreferentiell auf Umweltveränderung und externe Informationsangebote Bezug nimmt, wobei er stetig mit der begrenzten Beherrschbarkeit eigener Nebenfolgen konfrontiert ist.

Aus der beschriebenen Perspektive ist daher zu fragen:

  1. Welche Praktiken der Produktivitätsmessung findet man in Bereichen produktionsnaher Dienstleistungen bzw. entsprechend spezialisierter Unternehmen?
  2. Welche Vorstellungen liegen ihnen zugrunde bzw. laufen ihnen zuwider?
  3. Inwieweit erscheinen diese den Spezifika von Dienstleistungsarbeit angemessen?
  4. Welche intendierten und nicht-intendierten Folgen haben die jeweiligen Konzepte und ihre Anwendungsformen in den Bereichen bzw. Unternehmen, ggf. bis hin zu ihrer Folgenlosigkeit oder Rücknahme?
  5. Welche Erfahrungen machen die verschiedenen Akteursgruppen in den Unternehmen mit diesen Praktiken, insbesondere die mittels Performance-Measurement (PM) evaluierten Gruppen und Individuen? Welche Auswirkungen hat das auf ihre Leistungsbereitschaft, und wie reagieren die Verantwortlichen für die Konzeption und Anwendung des PM auf entsprechende Folgen, Verhaltensweisen und Rückmeldungen?
  6. Können PM-Systeme von einer weitgehend auf Effizienzmessung ausgerichteten Logik hin zu Konzepten weiterentwickelt werden, die mehr auf Lernen, Strategisches Management bzw. die Entwicklung von Unternehmensfähigkeiten fokussieren? Wo sind Ansätze dazu erkennbar, die nicht sofort nach der Einführungsphase solcher Systeme in die alte Logik verfallen?